Arbeitszeitaufwand in Bayerischen Pilotbetrieben für artgerechte Tierhaltung

Bernhard Haidn, Thomas Schleicher, Juliana Mačuhová

Abstract


Mit einer Arbeitszeitstudie in 34 Pilotbetrieben werden Basisdaten für verschiedene Betriebszweige ermittelt und ein Überblick über die Situation der Arbeitswirtschaft in den bayerischen Tierhaltungsbetrieben gegeben, um das Niveau auf nationaler und internationaler Ebene einordnen zu können. Zur Erfassung des Arbeitszeitaufwands in allen Betrieben wurde die Methode der Zeitermittlung über ein Arbeitstagebuch, das jeder Landwirt über 16 Wochen zu führen hatte, gewählt. Die Arbeitszeit sollte nach Arbeitsvorgängen und -teilvorgängen aufgezeichnet werden. Die in fünf Stufen bewertete Qualität der Auf-zeichnungen ergab für 7 Betriebe „mangelhaft“ oder „unbrauchbar“. Von den restlichen Betrieben liegen zu-verlässige Arbeitszeitdaten vor. Für die 12 Milchviehbetriebe mit Bestandsgrößen von 18-99 Kühen wurde ein Arbeitszeitaufwand von 42 bis 114 APh pro Kuh und Jahr ermittelt. Melken, Füttern, Jungviehversorgung und Management besitzen in dieser Reihenfolge die höchsten Anteile. Nur 5 Betriebe liegen nicht an der Grenze zur vollständigen Auslastung der vorhandenen Arbeitskapazitäten. Für die drei nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus wirtschaftenden Mutterkuhbetriebe wurde mit 16-27 APh pro Kuh und Jahr ein für die vorhandenen Bestandsgrößen (20-52 Kühe) typisches Ergebnis erzielt. Im Bereich der Schweinehaltung wirkte sich die ökologische Wirtschaftsweise ganz erheblich auf den Arbeitszeitaufwand der Betriebe aus. Drei Bio-Betriebe mit Zuchtsauenhaltung benötigten zwischen 22 und 35 APh pro Sau und Jahr, während die vier konventionellen Betriebe zwischen 10 und 14 APh pro Sau und Jahr lagen. Auch in der Mastschweinehaltung weicht ein Bio-Betrieb mit 3,7 APh pro Mastplatz und Jahr erheblich von den drei konventionellen Betrieben (0,6–1,1 APh/Mastplatz und Jahr) ab. Für die Schweinehaltung lag der Anteil des Arbeitszeitaufwands an der vorhandenen Arbeitskapazität innerhalb einer sehr breiten Spanne von 4 und 98 %. Maßgeblichen Einfluss übt der Produktionsumfang des Betriebszweigs und die Auslastung der Stallplätze nach dem Neubau aus. Drei Legehennenhalter wiesen mit zu-nehmender Bestandsgröße von 500 bis 3.000 Stallplätzen einen abnehmenden Arbeitszeitaufwand pro Huhn und Jahr auf. Dabei betrug die Auslastung der vorhandenen Arbeitskapazität nur etwa 15 bis 30 %.


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